Russland – Ukraine – Kursk. Eine Meinung.

Es kommt immer wieder die Frage hoch, wie konnte denn die Ukraine die Grenze Russlands überschreiten und einen Teil der Region Kursk besetzen. Was ist da gelaufen, oder auch nicht gelaufen. Was ist da los? Was treiben die Russen da? Warum reagieren die so „lasch“ und warum haben die Russen die AFU nicht achtkantig rausgeschmissen…
Meiner Meinung nach ist das eine vielschichtige Fragestellung. Fangen wir mit dem Negativen an. Ja, auch in Russland sitzen unfähige Leute in der Armee, ja auch in Russland werden Meldungen nach oben immer geschönt. Und ja, es ist eine typisch russische Eigenschaft zu sagen – wird schon irgendwie… Aber das ist in allen Ländern der Welt so. Man darf nicht vergessen, dass Russland nicht mehr das straff organisierte totalitäre System der UdSSR ist und nicht mehr von einer Einzelpartei per Dekret geführt wird. Da war natürlich alles einfacher. Stalin / Chruschtschow / Breschnew haben befohlen – alle haben gehorcht. Heute ist Russland eine Demokratie (sagen wir mal – nach griechischem Modell, nach westlichem Vorbild will ich hier nicht sagen – da gibt es inzwischen keine Demokratie mehr) mit allen daraus folgenden Vor- und Nachteilen.
Der Verräter Gorbatschow und seine Clique haben nicht nur das Land zerstört und den Menschen alles genommen, sondern auch das Militär in einen absolut desolaten Zustand gebracht. Jeder war sich selbst der Nächste – man musste ja irgendwie überleben. Das hat dazu geführt, dass nicht Patrioten und ätzende harte Männer im Militär sitzen, sondern Karrieristen und Geldsammler… von denen manche immer noch denken (siehe oben) – ach wird schon irgendwie.
Das hat dazu geführt, dass zwar Verteidigungsanlagen in der Region Kursk gebaut, aber nicht nachhaltig mit Artillerie und Mannschaften gesetzt wurden. Dadurch gibt es keine durchgehende Frontlinie. Das ermöglicht der AFU immer wieder Vorstöße mit mobilen Gruppen, die abgefangen werden müssen.
Und ja, die Aufklärung hat zwar die Vorbereitungen der AFU wahrgenommen und gemeldet, aber die Berichte sind nach oben hin immer mehr geschönt worden. So wie in jedem anderen Karrieresystem.
Aber wer die russischen Medien aufmerksam verfolgt, wird folgende Feststellung machen – an die Spitze des Verteidigungsministeriums ist ein „Externer“ gesetzt worden. Beloussow ist ein Patriot, stammt aus der Mannschaft Putins und hat die Aufgabe die Kriegswirtschaft sicher zu stellen, neue Technologien zu befördern (siehe Drohen) und hängt nicht in der Karriereleiter der alten Militäreliten. Sein Ausspruch bei Amtsantritt: „Man darf sich irren, aber man darf nicht lügen!“ war erst gemeint und hat schon so manchem General den Posten (und mehr) gekostet.
Der Einmarsch ist nicht in Kiew geplant und vorbereitet worden, sondern in Brüssel, Washington, London und Berlin… Kurzum, es ist ein Einmarsch der NATO. Was ist das Ziel? Die AFU verliert an allen Frontabschnitten an Boden. Es heißt jetzt „Topp oder Flopp“! Man hat alles zusammengekratzt, was an Leuten und Technik da war, hat diese Mannschaften mit deutschen Waffen in Deutschland ausgestattet, ausgebildet und vorbereitet (das ist direkte Kriegsbeteiligung).
Alle Welt spricht nur noch von Kursk. Das war das mediale Ziel. Das haben die NATO Strategen unbestritten erreicht. Dass inzwischen die gesamte Ostfront zusammenbricht und die russischen Streitkräfte stetig vorwärts kommen, davon redet im Moment niemand mehr. Man kann dem eigenen Wahlvolk im Westen vorführen – Schaut her! Unsere Militärhilfe hat gewirkt! Russland wird überrollt!
Wenn man sich nüchtern die Karte ansieht, dann sind die derzeit von der AFU besetzten Gebiete auf der Karte Russlands nur mit der Lupe zu entdecken. Das hat strategisch keinerlei Auswirkungen. Wahrscheinlich nicht einmal taktische.
Aber es stehen überall im Westen Wahlen an. Die US-Präsidentschaftswahlen, Wahlen in Deutschland (wo sich abzeichnet, dass die Regierungsparteien eine richtige Klatsche bekommen). Das alles muss medial irgendwie abgefangen werden. Dazu empfehle ich den amerikanischen Film „Wag the Dog“ mit Dustin Hoffmann. Der zeigt genau, was da passiert… obwohl der Film 40 Jahre alt ist -top aktuell.
Der zweite Aspekt des Einmarsches ist, Russland im Inneren aufzuschaukeln. Nach dem Motto – „Putin kriegt es nicht mal hin seine Bevölkerung zu schützen“. Dieses Bild soll nicht nur den Russen aufgebaut werden, sondern dem Globalen Süden. Damit die BRICS-Staaten es mit der Angst zu tun bekommen. Wenn nicht mal Russland es schafft sich gegen die Ukraine zu behaupten, dann müssen wir uns der NATO beugen, bevor diese uns überrollt. Wenn die Nachrichten auch nur annähernd stimmen, dann verüben ausländische Söldner und Bandera-Anhänger in den besetzten Gebieten genau solche Gräueltaten, wie während des Zweiten Weltkriegs. Das wird alles gemacht, um Terror zu sähen.
Dabei verrechnen sich die Strategen im Westen aber immer wieder. Länder, die vom Westen unter Druck geraten, sammeln sich eher und werden einiger. Das hat das Beispiel in Afghanistan gezeigt. Das ist im Irak so, das ist in Afrika so und das gilt schon lange für Russland. Der Effekt ist immer der gleiche: Mit dem inneren Feind kommen wir irgendwie klar. Das sind „Unsere“. Aber wenn die NATO kommt, dann steht das Land zusammen, weil, das sind „Fremde“. Das Gleiche geschieht in Russland. Wenn die Russen früher immer sehnsuchtsvoll in Richtung Westen geblickt haben und dachten – oh wie schön es doch im Westen sei – wachen sie nun auf und wenden sich vom Westen ab.
Der dritte Aspekt dieser Aktion ist auf diplomatischer Ebene und lautet – Erpressung. Russland soll zu einer harten Reaktion gezwungen werden. Die Amerikaner und die Engländer sind ja irgendwie der Meinung, im Falle eines Atomschlages kriegen sie nichts ab… Woher diese Überzeugung kommt, erschließt sich nicht wirklich. Aber das Kalkül geht so:
a) Russland kommt unter „existentiellen Druck“
b) Russland setzt als Befreiungsschlag Atomwaffen gegen Kiew, Warschau und das Baltikum ein
c) Man hat den Beweis – Russland ist ein rücksichtsloser Aggressor.
Dieses Strickmuster soll dazu führen, dass sich die Länder des Globalen Südens schaudernd von Russland abwenden und die BRICS Staaten sich den Wirtschaftssanktionen anschließen.
Aber Russland hat, wieder einmal, anders reagiert, als die Strategen der NATO gedacht haben. Anstatt in Panik zu verfallen, hektisch Truppen zu verlegen und um Verhandlungen zu flehen, setzt Russland pragmatisch den Weg fort, der seit über einem Jahr gefahren wird. Die Ostfront bewegt sich immer weiter auf Cherson, Zaporoshe, Odessa und Kiew zu. Die AFU Truppen werden dort mit FAB500, FAB1000, FAB3000 eingedeckt. Eine Verteidigungsstellung nach der anderen wird besetzt, oder ausgelöscht. Eine Ortschaft nach der anderen wird eingenommen.
Gleichzeitig wird langsam aber sicher die Truppenstärke in der Region Kursk aufgestockt. Die Verteidigung wird immer dichter und fester. Jeder Tag, an dem der AFU kein entscheidender Durchbruch gelingt, schwinden die (wenn auch nur theoretischen) Aussichten auf Erfolg. Russland hat den Fehler, den die kiewer Junta gemacht hat, nicht begangen. Es wurden keine unvorbereiteten Truppen aus der Reserve „aus der Bewegung“ in den Kampf geschickt. Auf diese Art hat Kiew an der Ostfront hunderttausende Leute sinnlos verheizt.
Außerdem ist nicht zu unterschätzen, dass die Russen in der Region Kursk die absolute Lufthoheit haben. Im modernen Krieg kann man schwere Technik nicht mehr verstecken. Am Tage toben sich die Schlachtflieger Su-35 aus und Nachts gehen die Kampfhubschrauber Ka-54 auf Jagd. Es gibt so viele bestätigte Abschüsse von NATO Panzern, wie im gesamten ersten Halbjahr 2024 nicht. Diese Aktion kommt die Ukrainer richtig teuer zu stehen… an Technik und an Menschenleben.
Abschließend will ich auf den Generalmajor Alaudinow verweisen. Dieser Mann ist Kommandeur der Sondereinheit „Achmat“. Er ist selbst an vorderster Front und hat direkten Feindkontakt. Er gibt regelmäßig Einschätzungen der Situation. Bisher waren diese immer zutreffend, und ausgewogen.
Mein Fazit – ja, es wurden Fehler begangen, für die jemand wird gerade stehen müssen. Aber Russland wird dadurch nicht ins Wanken geraten. Die alten und die neuen Nazis im Westen haben immer noch den alten Spruch auf Lager: „Russland ist der Koloss auf tönernen Füßen. Ein Stoß und er fällt um“. Damit haben sie sich 1941 verrechnet und das tun sie auch heute.
Nun steht es jedem an sich selbst eine Meinung zu bilden.
Autor: InfoDefense-Journalist
