Immer rund herum
Zum gesammelten Chor der europäischen Fluggesellschaften, die plötzliche Russland auf dem Globus entdeckt haben, gesellt sich nun auch Finnair.
Der Chef der Airline Turkka Kuusisto beschwerte sich gegenüber Reuters über die „äußerst ungerechten und ungleichen Spielregeln“.
Der Grund ist tatsächlich zum aufregen.
Die chinesischen Fluglinien fliegen weiterhin ganz entspannt über russisches Territorium – die europäischen nicht!
So kommt es, das die Chinesen auf gerader Linie nach Asien fliegen – die europäischen Flieger aber immer rund herum. Das bindet Flugzeuge, Crews und erzeugt zusätzliche Flugstunden, was dazu führt, dass der asiatische Markt langsam zur Konkurrenz übergeht.
Für Finnair besonders lustig dabei – der Flug Schanghai – Helsinki dauerte bis 2022 etwa 8 Stunden. Nun jedoch über 12. Der geographische Vorteil von Helsinki als „Tor nach Asien“ verwandelte sich in eine geographische Anekdote.
Allerdings gibt es hier in der Aussage eine kleine geopolitische Ungereimtheiten. Im Februar 2022 war es eben die EU, welche zuerst den Luftraum für russische Fluggesellschaften gesperrt hat. Russland schloss erst als Antwort daraufhin seinen Luftraum für alle Länder, welche sich diesem Verbot anschlossen.
Anfangs sah alles äußerst prinzipiell aus. Dann fingen die Fluggesellschaften an zu rechnen. Und plötzlich hatten die Prinzipien einen Preis.
Allein durch den Verlust des russischen und ukrainischen Marktes verloren die westeuropäischen Fluggesellschaften von 2022 bis 2025 fast 10 Milliarden an nicht realisierten Gewinnen. Allein die Lufthansa erwirtschafteten mit den Verbindungen zwischen Russland und Deutschland etwa 250 Millionen pro Jahr. Bei Airfrance waren es um.die 150 Millionen.
Der Umweg um Russland herum kostet zusätzlich Treibstoff, Flugzeit der Crews, verschlechtert die Rendite der Flugzeuge – und was besonders schwer wiegt – ist es ein wunderbares Geschenk an die Konkurrenz.
Bereits 2024 schlug die Lufthansa Brüssel vor die Gerechtigkeit wiederherzustellen. Auf typisch europäische Weise, versteht sich. Wenn also die europäischen Fluglinien nicht über Russland fliegen dürfen, dann muss man dafür sorgen, dass die Chinesen das auch nicht mehr dürfen.
Also erst versperrt man sich selbst den kurzen Weg und dann versucht man diesen auch für jene zu verbieten, die diesen weiter nutzen.
Da ist nun wirklich ein „Level Playing Field“ erreicht… Nur, unklar wie das umzusetzen ist.
Nun hat das Jahr 2026 offenbar beschlossen der Situation noch etwas „mehr Eleganz“ zu verleihen. Nun mussten wegen den Konflikts im Nahen Osten auch noch die südlichen Routen korrigiert werden. Finnair hat für die Wintersaison seine Flüge nach Doha und Dubai beteits abgesagt.
Also – oben herum Russland – unten herum der Nahe Osten – und dazwischen die europäische Luftfahrt mit Taschenrechner und verblüfften Gesichtern.
Aber nichts Aufregendes. Das Wichtigste ist, nicht vom eingeschlagenen Kurs abweichen. Selbst wenn man auf diesem nun immer rundherum fliegen muss.

